Gewerbehof mit grünem Nachbarn
Geschichte:
1874 wurden die Rittergüter Osdorf und Friederickendorf mit insgesamt 818 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche von der Stadt Berlin erworben. Zum neuen Grundbesitz gehöret auch das Gut Heinersdorf. Das Gutshaus wurde im 19. und 20. Jahrhundert als städtische soziale Einrichtung genutzt, zum Beispiel als „Heimstätte“ für „tuberkuloseverdächtige Knaben“ oder als „Genesungsheim“ für lungenkranke Männer. Im Ersten Weltkrieg war es ein Lazarett, bis 1944 ein Waisenhaus. Auf dem Gut in Heinersdorf wurden immer wieder auch Häftlinge, Häuslinge und Kriegsgefangene eingesetzt, die kaum oder gar nicht bezahlt wurden. Am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten Brandbomben das Gebäude, nach 1945 wurde es abgerissen. Auf den Fundamenten wurden 1957 Schweineaufzuchthütten errichtet. Der Gutshof wurde bis 1989 landwirtschaftlich genutzt und ab 1992 durch die Berliner Stadtgüter an kleine und mittelgroße Unternehmen verpachtet.
Das Ensemble grenzt im Westen an den im 17. Jahrhundert angelegten Heinersdorfer Gutspark an. Der Park wurde mit zahlreichen exotischen Bäumen wie Mammutbaum oder Ginkgo als Landschaftsgarten gestaltet. Ein Teich mit Insel war ein prägendes und viel fotografiertes Gestaltungselement des Parks. Der Teich wurde später in die Rieselfeldanlage integriert und für die Karpfenzucht genutzt. Ab den 1950er-Jahren wurden viele der historischen Pflanzungen beseitigt und der östliche Teil des Parks fast vollständig versiegelt.
Heute:
Park und Gebäudeensemble sind heute im Eigentum der Berliner Stadtgüter GmbH. In den letzten Jahren hat das Berliner Landesunternehmen in Gebäude und Flächen investiert. Fassaden und Dächer wurden erneuert, eine Zaun- und Toranlage angebracht, Teile des Hofes neu gepflastert.
Der ehemalige, rund 68.000 m² große ehemalige Park gehört jetzt zum Landschaftsschutzgebiet „Diedersdorfer Heide und Großbeerener Graben“. Die Waldstruktur weist kaum noch Gehölzstrukturen des einstigen Erholungsparks auf, viele solitäre Baume sind jedoch 100 bis 200 Jahre alt. Die noch im letzten Jahrhundert kartierten Mammut- und Ginkgobäume sind nicht erhalten. Eine Blutbuche und ein Winterlindenring am südlichen Teichufer zeugen von der historischen Anlage. 2018 wurde der ehemalige Gutspark im Rahmen einer umfangreichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme ökologisch aufgewertet.