Ein Ort mit überregionaler Strahlkraft, viel Geschichte, Natur und Kultur
Geschichte:
1898 kaufte die Stadt Berlin Ländereien, um Rieselfelder anzulegen und das Stadtgut Hobrechtsfelde zu errichten. Doch erst 1906 erhielt das Stadtgut durch den Zukauf weiterer Flächen seine endgültige Größe von rund 976 Hektar. In diesem Jahr begann der Bau des Gutshofes Hobrechtsfelde. Zum Gut gehörten ein sechsstöckiger Kornspeicher (https://landschaften-in-deutschland.de/themen/80_b_150-gutsspeicher-hobrechtsfelde/), Scheunen und Ställe, ein Gemeinschaftshaus, eine Schule und Wohnhäuser für die Gutsarbeiter und ihre Familien. 1908 war der Bau der Gebäude abgeschlossen. Im gleichen Jahr, am 3. August 1908, erhielt die Ortslage zu Ehren des Stadtbaurates James Ludolf Hobrecht (1825-1902), dem Vater des Berliner Radialsystems und der Berliner Stadtgüter, den Namen Hobrechtsfelde. Bis 1922 entstanden weitere Nebenbetriebe wie eine Molkerei, ein Fleisch- und ein Sägewerk.
Aufgabe des Stadtgutes war die Verrieselung von Berliner Abwässern sowie die Landwirtschaft. Das Gut versorgte das nahegelegene Krankenhaus Buch mit Milch und Fleisch. Mit der Hobrechtsfelder Wirtschaftsbahn, einer Besonderheit des Stadtgutes, wurden die land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnisse transportiert.
In den Jahren der DDR wurde das Gut Hobrechtsfelde als Volkseigenes Gut betrieben. Verwaltet wurde es vom VEG Tierproduktion Berlin in Schönerlinde, später in Pankow-Blankenfelde. Mit der Inbetriebnahme des Klärwerks Schönerlinde wurde die Bewirtschaftung der Rieselfelder 1985 aufgegeben. Seit 1990 stehen der Gutshof und der Ort Hobrechtsfelde mit wenigen Ausnahmen unter Denkmalschutz. Nach 1989 wurden die Flächen und Gebäude des Gutshofes an das Land Berlin restituiert und 2001 an die Berliner Stadtgüter GmbH übertragen.
Heute:
Die Berliner Stadtgüter haben in den vergangenen Jahrzehnten umfangreiche Entsiegelungsmaßnahmen auf dem Areal vorgenommen. Baufällige Gebäude wurden abgerissen, andere denkmalgerecht saniert. Die historische Scheune wurde aufwändig restauriert und mit einer Dach-Photovoltaik-Anlage ausgestattet. Den Kornspeicher übertrugen die Stadtgüter 2013 im Erbbaurecht an den Förderverein Naturpark Barnim e. V. Seitdem wurde das Gebäude umfangreich in Stand gesetzt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Eröffnung des Speichers mit einem Besucherzentrum fand im April 2013 statt. Der damalige Senator und spätere Berliner Bürgermeister Michael Müller: „Mit dem Besucherzentrum im alten Berliner Stadtgut Hobrechtsfelde hat die ehemalige Rieselfeldlandschaft um Hobrechtsfelde nun das Zeug, um zu einem der beliebtesten Ausflugsgebiete vor den Toren der Stadt zu werden.“ Heute wird der ehemalige Kornspeicher vom Förderverein Naturpark Barnim e. V. zu einem Begegnungsraum für Kunst, Kultur und Umweltbildung entwickelt. Eine Dauerausstellung informiert über die Rieselfeldgeschichte, es gibt ein vielseitiges Kulturangebot sowie ein Café.
Die denkmalgeschützten ehemaligen Wohnhäuser der Gutsmitarbeiter wurden 2010 an die Bremer Höhe e. G. verkauft. Die Berliner Wohnungsbaugenossenschaft sanierte die Landarbeiterhäuser sowie den Saal im Gemeinschaftshaus und errichtete drei Neubauten in Holzrahmenbauweise.
Auf dem weitläufigen Gelände und in den teils historischen Gebäuden im Eigentum der Berliner Stadtgüter haben sich landwirtschaftliche Betriebe, ein Pferdebetrieb, ein Biergarten sowie ein Montessori-Waldkindergarten angesiedelt.
Teile der ehemaligen Rieselfelder wurden zur 750-Jahr-Feier Berlins vom Forstwirtschaftsbetrieb Berlin aufgeforstet („Hobrechtswald“). Die Waldentwicklung war nur mäßig erfolgreich. Die Berliner Forsten, Rechtsnachfolger des Forstwirtschaftsbetriebes Berlin, entwickelten und sanierten den Wald seit den 1990er Jahren weiter. Heute ist die trockene Halboffenlandschaft mit ihrem Mosaik aus Gehölzen, Gras-, Hochstauden- sowie Krautfluren ein Landschaftsraum mit reicher und vielfältiger Flora und Fauna. Um das Zuwachsen der Landschaft zu verhindern, weiden seit 2011 robuste Rinder, Konikpferde und Shetlandponys auf der Fläche.
Weitere Orte lebendiger Stadtgüter-Geschichte sind der nahegelegene ehemalige Gutshof Schönerlinde sowie der Naturlehrpfad Löwenzahnpfad, der um die ehemaligen Nachklärteiche im Naturschutzgebiet Schönerlinder Teiche führt.