Brandenburger Landwirtschaftsgeschichte im Fokus – Interview Barnim Panorama

Das Barnim Panorama bringt das Agrarmuseum Wandlitz und das Besucherzentrum des Naturpark Barnim unter einem Dach zusammen. In seinen preisgekrönten Räumen in Wandlitz lädt es zu einer interaktiven Reise durch Landschaft, Natur und Agrargeschichte ein. Ein Fokus der Dauerausstellung liegt auf der Bedeutung von Böden und der Ausstellung von Landmaschinen. 2026 unterstützen die Berliner Stadtgüter den Förderverein Freundeskreis des Barnim Panorama e. V. mit einer Spende. Mit Julika Ziegenhagen, Barnim Panorama, und Dr. Uwe Budde, Vereinsvorstand, haben wir über einen Ort gesprochen, der Brandenburger Landwirtschaftsgeschichte auf vielfältige Weise erinnert und lebendig hält.

Sie werben mit dem Slogan „Mehr als ein Museum“. Was meinen Sie damit?
Ziegenhagen: Mit „Mehr als ein Museum“ meinen wir, dass man bei uns nicht nur Ausstellungen anschaut, sondern richtig etwas erleben kann. Im Barnim Panorama verbinden wir Natur, Landwirtschaft und die Geschichte unserer Region miteinander. Man kann im Haus viel entdecken, aber auch draußen auf dem Gelände unterwegs sein und die Natur erleben. Uns ist wichtig, dass die Besucher nicht einfach nur durch das Museum gehen, sondern etwas mitnehmen und vielleicht auch neue Dinge kennenlernen. Gerade für Familien und Kinder gibt es viele Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden und die Themen auf eine ganz andere Weise zu entdecken.
Budde: So haben und erweitern wir gerade für die Kinder Lehrpfade, auf denen sie konkrete Antworten auf Fragen suchen und finden können.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen spielen eine immer größere Rolle in der Landwirtschaft. Spiegelt sich das auch in den Angeboten des Zentrums wider?
Ziegenhagen: Dafür haben wir gezielt Fördermittel eingeworben, um unsere Dauerausstellung entsprechend weiterzuentwickeln. Der Klimawandel und seine Auswirkungen sind auch für die Landwirtschaft ein großes Thema. Es geht zum Beispiel um längere Trockenperioden, den Umgang mit Wasser und den Schutz unserer Böden. Die Landwirtschaft ist dabei Teil des Problems, kann aber gleichzeitig auch Teil der Lösung sein. Und genau diesen Zusammenhang wollen wir zeigen.

Wir möchten deutlich machen, vor welchen Herausforderungen die Landwirtschaft steht, aber auch, welche Möglichkeiten es gibt, nachhaltiger zu wirtschaften und etwas zu verändern. Es geht darum, neue Perspektiven aufzuzeigen und zu beleuchten, welche Chancen in einer zukunftsfähigen Landwirtschaft stecken.

Budde: Zusätzlich steht seit kurzem ein Escape-Room-Spiel zur Verfügung, bei dem das Thema Nachhaltigkeit im Fokus steht. Auch wenn der Bogen hier weiter gespannt wird auf die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, so bekommt man einen Überblick, wie diese Zielsetzungen und Umsetzungsmöglichkeiten ineinandergreifen. Dabei ist die nachhaltige Nutzung unserer Ressourcen von zentraler Bedeutung.

Die Berliner Stadtgüter haben dem Museum landwirtschaftliche Geräte für die Sammlung geschenkt. Ist die Geschichte der Stadtgüter auch Teil der Dauerausstellung?
Ziegenhagen: Aktuell ist sie kein Thema in unserer Dauerausstellung. Trotzdem passt sie gut zu den Themen, mit denen wir uns im Barnim Panorama beschäftigen. Sie zeigt, wie eng Berlin und das Umland historisch miteinander verbunden sind, gerade wenn es um Landwirtschaft und die Versorgung der Bevölkerung geht. Die geschenkten landwirtschaftlichen Geräte sind deshalb eine schöne Ergänzung für unsere Sammlung. Sie machen Landwirtschaftsgeschichte konkret und anschaulich. Ich finde, das ist ein interessanter Ansatz, den es sich lohnt, weiterzuverfolgen. Vielleicht ergibt sich daraus in Zukunft die Möglichkeit, die Geschichte der Stadtgüter stärker aufzugreifen und unseren Besuchern näherzubringen.

Zum Barnim Panorama gehört auch ein Schaugarten. Was wird dort gezeigt?
Ziegenhagen: Unser Schaugarten zeigt, wie vielfältig Natur und Landwirtschaft sind. Man kann hier verschiedene Nutzpflanzen entdecken und sehen, wie sie wachsen. Besonders wichtig ist der Garten für unsere Bildungsangebote mit Kindern. Wir wollen, dass sie nicht nur etwas erklärt bekommen, sondern selbst aktiv werden und Dinge ausprobieren. Wir buddeln zum Beispiel gemeinsam Kartoffeln aus oder probieren frische Kräuter.

So erleben die Kinder die Natur mit allen Sinnen und lernen ganz praktisch, wo unsere Lebensmittel herkommen.

Je nach Jahreszeit gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Und natürlich macht es auch einfach Spaß, draußen zu sein und selbst mit anzupacken.

Der Schaugarten im BARNIM PANORAMA

Wie unterstützt der Freundeskreis das Museum?
Ziegenhagen: Unser Freundeskreis ist wirklich toll! Wir sind sehr froh, so einen engagierten Förderverein an unserer Seite zu haben. Er unterstützt uns auf vielen Ebenen – finanziell, organisatorisch und mit ganz viel persönlichem Einsatz. Ob bei Veranstaltungen, bei der Umsetzung neuer Ideen oder bei der Anschaffung von Dingen, die wir sonst vielleicht nicht realisieren könnten: Auf den Freundeskreis ist Verlass. In der Arbeit des Vereins steckt viel Herzblut. Die Mitglieder bringen sich ein, denken mit und haben immer ein offenes Ohr. Das ist alles andere als selbstverständlich.

Ich finde, so ein Förderverein ist für ein Museum unglaublich wertvoll. Er gibt uns Rückhalt, eröffnet neue Möglichkeiten und zeigt, wie sehr die Menschen hinter unserem Haus stehen. Dafür sind wir wirklich dankbar!

Budde: Wir unterstützen zum Beispiel die Konzeption und Realisierung von Sonderausstellungen durch den Blick von außen und die breitgefächerte Expertise der Mitglieder. Auf Veranstaltungen des Barnim Panorama sind wir präsent, wir bereiten Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder vor, gehen in die Gespräche mit den Besuchern, organisieren Getränke- und Kuchenstände und können somit – nicht ganz unwichtig – auch Spenden einsammeln.

Die Sammlung des Museums umfasst mehr als 7000 Objekte. Haben Sie ein Lieblingsstück?
Ziegenhagen: Das ist eine schwierige Frage! Aber als Agrarwissenschaftlerin bedeutet mir unsere Traktorenherde schon besonders viel. Ich finde es faszinierend, wie sich die Landtechnik über die Jahre entwickelt hat und was die Maschinen über die Geschichte der Landwirtschaft erzählen. Dazu kommt unsere große, architektonisch einmalige Halle, in der die Traktoren stehen. Sie hat einen ganz besonderen Charme und eine unglaubliche Atmosphäre. Hier finden sogar Konzerte zwischen den historischen Traktoren statt. Das ist schon etwas Besonderes! Ich finde, genau solche Kombinationen machen das Barnim Panorama aus. Man erlebt Landwirtschaftsgeschichte, aber eben auch Kultur auf eine ganz eigene Art.
Budde: Dazu passt mein Lieblingsobjekt sehr gut. Es ist die große Wand in der Halle, auf der verschiedenste Pflüge wie eine Installation und sehr dekorativ angebracht sind. Mit diesen Pflügen geht man in der Geschichte der Landwirtschaft noch weiter in die Zeit vor den Traktoren zurück, als die menschliche und tierische Arbeitskraft die Pflüge bewegte.

 Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: Gemeinde Wandlitz

Ein Raum im Agrarmuseum im BARNIM PANORAMA
Ausstellungsraum im Barnim Panorama