September 2026

Pächter:innen im Porträt: Gut Lanke im Barnim

Die Bandbreite unserer Pächter:innen und Mieter:innen ist groß. In kurzen Porträts stellen wir einige vor.

Michael Hauser bewirtschaftet seit 2007 rund 544 Hektar Fläche in Lanke, Ortsteil der Gemeinde Wandlitz, Landkreis Barnim. Von den Berliner Stadtgütern hat der gebürtige Schwabe 468 Hektar Fläche gepachtet und Tierställe im Erbbaurecht übernommen. Der Biobauer hält Schweine und Rinder und pflanzt Getreide, Lupinen und Luzernegras. Etwa 20 Prozent der Einnahmen generiert Gut Lanke durch die eigene Biogasanlage, die 2015 in Betrieb genommen wurde.

Auch in Brandenburg wurden 2026 neue Hitzerekorde aufgestellt. Hitzewellen und Trockenheit beeinträchtigen die Erträge der Landwirt:innen. Wie sieht heute, Ende August, Ihre erste Einschätzung aus?

Wir haben eine erstaunlich gute Ernte. Es hat auf den Punkt genau Niederschläge gegeben. Nach drei schwächeren Jahren sieht es ganz gut aus.

Die Zahl der Landwirt:innen in Brandenburg nimmt weiter ab. Ein Grund ist neben dem Klimawandel und dem Personalmangel die wirtschaftliche Situation. Wie beurteilen Sie die Lage?

Hätten Sie mich vor einem Jahr gefragt, hätte ich gesagt sehr gut. Im Moment ist es aber problematisch, weil der Öko-Schweinemarkt komplett eingebrochen ist. Seit November 2025 ist dieser Markt durch Importware aus Spanien und Dänemark extrem unter Druck geraten.

Unserem Vermarkter wurden von heute auf morgen die Verträge gekündigt. Wir konnten unsere Schweine nicht verkaufen – eine ganze neue Erfahrung.

Wir mussten unser Fleisch erst unterpreisig verkaufen, dann zu den Preisen für konventionell produziertes Fleisch. Wir können so nicht einmal den Einkaufspreis für unsere Ferkel realisieren. Das führt dazu, dass auf Gut Lanke erst einmal Schluss mit Schweinen ist. Wir warten so lange, bis sich für uns wieder eine Perspektive ergibt. Das ist eine bittere Erfahrung. Hier werden gerade Existenzen vernichtet.

Wieviel Prozent Ihres Umsatzes machen Sie mit Schweinezucht und -mast?

Das sind 60 Prozent. Ich denke, dass die Biozuwächse, von denen man in der Presse liest, an der deutschen Landwirtschaft vorbeigehen. Es wird viel importiert und die Kaufkraft lässt nach. Wenn das Geld knapp wird, wird nach dem Billligen gegriffen.

Ferkel im Stall

Sie sind gerade dabei, die Rinderherde in die Offenlandhaltung zu überführen. Stellen Wetterextreme die Umstellung in Frage?

Wir haben im Frühjahr eine große Weide neben dem Stall geschaffen. Die Rinder haben die Möglichkeit, jederzeit in den Stall zu gehen, wenn es zum Beispiel zu warm wird. Wir hatten also keine Probleme mit Hitze und Sonnenbrand. Schwierig ist es, die Weide grün zu halten. Wenn wir hier 14 Tage keinen Regen haben, wird die Weide zur Steppe.

Sie verdienen ungefähr jeden fünften Euro mit Mist und Gülle Ihrer Tiere. Ihre hofeigene Biogasanlage versorgt 200 Haushalte mit Strom. Eine kluge Investition, um Schwankungen in der landwirtschaftlichen Produktion zu stabilisieren?

Die Biogasanlage war eine wirklich gute Entscheidung. Diese Investition hat sich schon lange amortisiert und trägt zu einem konstanten Einkommen bei. Wir bekommen noch neun Jahre lang die garantierte Vergütung. Dann müssen wir sehen. Ich hoffe, dass die Politik bis dahin etwas mehr zur Kenntnis nimmt, dass genau diese Anlagen eigentlich mit die beste Stromquelle sind.

Warum?

Sie sind dezentral, wir erzeugen den Strom dort, wo er verbraucht wird. Die Rohstoffe sind vorhanden bzw. sie werden aufgewertet, die Emissionen gehen nahezu gegen null. Legt man den Kreislaufgedanken zugrunde, denke ich, dass zu jeder Tierhaltung eine Biogasanlage gehört. Und die Anlage stabilisiert unsere Existenz.

Die Biogasanlage von Gut Lanke mit grüner Kuppel

Die Berliner Stadtgüter haben eine Moorschutzstrategie entwickelt. Ziel ist es, Wasser auf geeigneten Flächen zu halten. Wir sind auch mit Ihnen im Austausch über eine Stausanierung. Welche Chancen und Risiken sehen Sie bei der Anhebung des Grundwasserspiegels auf der Fläche?

Chancen sehe ich im Erhalt der Ökologie und beim Wasserrückhalt. Risiken sehe ich, wenn man es übertreibt. Unsere Grünlandflächen sind unsere einzige Quelle für Heu. Wir machen zwei Schnitte, das Heu ist wichtig für unser Jungvieh. Wenn ich das nicht mehr machen kann, habe ich ein Problem. Wir suchen jetzt nach einer Lösung, wie beides in Einklang gebracht werden kann. Wichtig ist für mich auch, den Einfluss auf die Fläche zu behalten. Dass ich sagen kann, wann angestaut wird und wann nicht. Aber ich denke, die Wiedervernässung ist eine Aufgabe für die Zukunft, die man durchaus hinkriegen kann.

Sie sind seit rund 20 Jahren Pächter der Berliner Stadtgüter. Wir bewerten Sie die Zusammenarbeit?

Die Stadtgüter sind ein verlässlicher Partner. Wenn Probleme auftauchen, werden diese gemeinsam beseitigt. Wir haben einen langlaufenden Vertrag, der Verlässlichkeit und Planungssicherheit schafft. Natürlich steigt auch unser Pachtpreis. Aber in einem Rahmen, in dem wir wirtschaften können und das rechne ich den Stadtgütern hoch an.

Welche Unterstützung wünschen Sie sich von Politik und Verbraucher:innen?

Ich wünsche mir mehr Verlässlichkeit. Dass vielleicht auch mal über den 5-Jahres-Zeitraum hinausgedacht wird. Mein Sohn ist 16 und lernt jetzt Landwirt. Er möchte später in den Betrieb einsteigen. Es wäre gut zu wissen, in welche Richtung die Entwicklung in den nächsten 10 Jahren gehen wird. Die Brandenburger Landwirtschaft hängt am Subventionstopf. Es gibt ein Hin und Her, Förderrichtlinien ändern sich, es gibt Kürzungen, die wir nicht einfach über den Markt füllen können.

Hier kommen also auch die Verbraucher:innen ins Spiel?

Ja. Das politische Ziel sind 30 Prozent Bioanbaufläche. Das bringt aber nichts, wenn die Verbraucher kein Bio kaufen. Mein Vater und ich haben schon vor Jahrzehnten entschieden, Biolandwirtschaft zu betreiben und ich bin noch immer davon überzeugt.

Ich mache das auch für mein Gewissen und meine Überzeugung.

Irgendwann übergeben wir den Planeten an die nächste Generation. Und da soll die Landwirtschaft ja auch noch funktionieren. Aber wir brauchen die Politik und die Verbraucher an unsere Seite.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: Michael Hauser, Gut Lanke

Gebäude von Gut Lanke. Im Vordergrund Sommerblumen.
Aufgetürmte Strohballen in der Abendsonne