Engagement, Mut und Eigenverantwortung: Selbstverwaltete Dirtbahn „Strawberrytrails“ in Stolpe
Vom hundertjährigen Kornspeicher bis zur Neubauhalle, von der Wanderschäferei zur Jugendstilvilla mit Vacation am See: Die Bandbreite unserer Pächter:innen und Mieter:innen ist groß. Dennoch zählt die von jungen Menschen in Eigenregie angelegte und gepflegte Dirtbahn auf dem Stolper Feld zu den ungewöhnlichsten Projekten auf Stadtgüterboden.
Kurz nach der Wende legten BMX-begeisterte Jugendliche auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen Frohnau und Hohen Neuendorf erste Bahnen und Rampen für rasante Abfahrten und waghalsige Sprünge an. Neben der einmaligen Gelegenheit, nach dem Mauerfall neue Flächen erobern zu können, profitierte das Projekt von einem Zufallsfund: Auf dem Gelände lagerte illegal entsorgter Lehm von Bauprojekten der Umgebung. Mit diesem Material bauen junge Menschen seit über 35 Jahren in Eigenregie Bahnen für Anfänger:innen, Fortgeschrittene und Profis. Nachdem eine Fahrerin der ersten Stunde dort auch Erdbeeren pflanzte, heißt die Dirtbahn in der Szene bis heute „Strawberrytrails“.
Um den Trail auf Stadtgüterflächen zu erhalten, wurde gemeinsam mit den Jugendlichen und der Stadt Hohen Neundorf nach einer Möglichkeit gesucht, den selbstorganisierten Jugendtreff rechtlich abzusichern. Den Brandenburger Träger ImPuls e. V. überzeugte das Projekt so, dass er die Strawberrytrails unter sein Vereinsdach genommen hat.
Mitte Juni 2026 trafen sich Vertreter:innen von Verein, Stadt Hohen Neuendorf, Landkreis Oberhavel und der Berliner Stadtgüter, um sich das Projekt von jungen Menschen vor Ort vorstellen zu lassen.
„Uns hat das Engagement der jungen Menschen beeindruckt“, erklärte Thomas K. Müller, Leiter des Bereichs Vermietung und Verpachtung bei den Berliner Stadtgütern.
„Wir möchten unterstützen, wenn junge Menschen Verantwortung übernehmen. Uns war aber auch klar, dass es eine Organisation geben muss, die das Projekt unter ihre Fittiche nimmt.“
Dass der ImPuls e. V. in die Bresche gesprungen ist, um das Angebot abzusichern und als Pächter und Ansprechpartner gegenüber Verpächter, Gemeinde und Landkreis aufzutreten, ist ein echtes Glück.
Cornelius und Melvin, die seit Kindheitstagen auf den Strawberrytrails fahren, führten die Besucher:innen über den Trail. Die Studenten erläuterten, wie das selbstverwaltete Projekt funktioniert. Bis zu 15 Stunden die Woche engagieren sich die beiden für das Angebot. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus einem Umkreis von bis zu 20 Kilometern nutzen den Trail im Birkenwäldchen. Zu großen Events, die zwei Mal pro Jahr stattfinden, kommen Fahrer:innen aus ganz Deutschland und Europa angereist.
Die Bahn mit ihren fünf Strecken – im Fachjargon „Lines“ genannt – ist eine der größten Anlagen der Umgebung mit dem breitesten Angebot an Dirtlines.
Eine weitere Besonderheit ist, dass hier sehr viele Kinder fahren. „Am Wochenende treffen sich 30, 40 Kinder“, erzählte Melvin. „Hier geht es um das gemeinsame Fahren“, ergänzte Cornelius. Die Rampen und die Strecken werden von den jungen Fahrenden eigenverantwortlich und ohne schweres Gerät gepflegt und in Schuss gehalten. Einmal im Jahr prüft der TÜV die Anlage.
Claudia Lübke, ImPuls e. V. betonte „den Mut aller Partner, das Projekt zu unterstützen. Weil Ihr so mutig wart, konnten auch wir mutig sein.“
Dass dieser besondere Ort entstehen und über mehrere Generationen von Fahrer:innen erhalten werden konnte, ist dem kontinuierlichen Einsatz von jungen Menschen zu verdanken, die sich mit viel Zeit und Begeisterung für das selbstverwaltete Projekt engagieren. Für die rechtliche Absicherung des Projekts haben jetzt Verein, Eigentümerin und Gemeinde gesorgt, die pragmatisch nach einer guten Lösung suchten, um diesen besonderen Ort für zukünftige Dirtbiker zu sichern. Und sie gefunden haben.
Fotos Dirtbiker: Melvin Schlaak