Auf über 370 Hektar werden Rieselfelder ökologisch aufgewertet
Zwischen Grasnelken und Lerchenzwitschern fühlt man sich fern der Großstadt Berlin. Und doch ist dieser Ort eng mit der Metropole verbunden. Seit Beginn des 20. Jahrhundert wurden hier Berliner Abwässer verrieselt. Das nährstoffreiche Abwasser diente auch als Dünger für den Obst und Gemüseanbau auf den Berliner Stadtgütern. Die Fläche war über die Kanalisation und Druckleitungen mit dem Pumpwerk VII in der Lützowstraße in Berlin-Tiergarten verbunden.
Die Berliner Stadtgüter entwickeln die ehemaligen Rieselfelder und Energieholzplantagen zu einer blütenreichen Wiesenlandschaft mit Hecken, Alleen und Baumreihen mit alten Obstbaumsorten. 2019 wurde die Fläche als Flächenpool zertifiziert.
An den Wegen pflegen die Berliner Stadtgüter Wildobst und altes Kulturobst, säen auf Säumen und artenarmen Rieselfeldtafeln blütenreiche Kräuter ein und legen Hecken mit Schlehen, Weißdorn und Rosen an. Die ehemaligen Energieholzplantagen wandelt das Landesunternehmen in blühende Wiesen um. So wird das ehemalige Rieselfeld dauerhaft zu einem Magneten für eine vielfältige Vogelwelt. Feldlerchen, Braunkehlchen, Grauammern, Grasmücken und viele andere Arten haben sich bereits angesiedelt. Die Wiesen- und Heckenlandschaft mit ihren Kräutern und Grasnelken werden so gepflegt, dass Vögel, Insekten und Reptilien sich wohl fühlen und einen Rückzugsraum bekommen. Der NABU Dahmeland, der sich auf den Flächen seit vielen Jahre für die Vogelwelt engagiert, unterstützt die Stadtgüter dabei mit seinem Wissen über Wachtelkönig, Wendehals und Co.
Seit 2025 informiert ein sogenannter Actionbound über die Besonderheiten der Fläche. Im Rahmen des digitalen Spaziergangs erzählen Expert:innen in kurzen Hörstücken von Wendehals, Grasnelke, frühgeschichtlichen Funden, Naturschutzmaßnahmen und vielem mehr. Der ca. 800 Meter lange Actionbound „Grasnelke, Feldlerche, Wendehals: die Rieselfelder in Ragow-Deutsch Wusterhausen“ startet am Paul-Gerhardt-Weg und führt nach rund 45 Minuten wieder auf den Paul-Gerhardt-Weg zurück. Die digitale Tour umfasst sieben Stationen mit ein-bis dreiminütigen Audios. Sie können den Bound auf der Webseite des Anbieters Actionbound hier (Link: https://de.actionbound.com/bound/test-actionbound-ragow) kostenfrei herunterladen.
Bodenbrüter
Auf den weitläufigen Trockenwiesen brüten von Frühjahr bis Spätsommer Feldlerchen. Wir passen die Wiesenmahd an die Brutzeiten der Bodenbrüter an.
Obstbaum
Obstbäume locken mit Blüten und Früchten. Wir pflanzen alte Obstsorten, um selten gewordene, historische Kultursorten zu erhalten.
Grasnelke
Im Sommer blüht hier ein Meer von Grasnelken. Trockene Rasen und Wiesen sind artenreiche Lebensräume, auf die viele seltene Tiere und Pflanzen spezialisiert sind.
Hecken
Wir pflanzen und pflegen heimische Hecken, denn sie sind Mikroklimawunder und wichtiger Lebensraum für Singvögel und weitere Tierarten.
Königskerze
Wildbienen überwintern in Stängeln bunter Wiesensäume. Wir säen regionale Kräutermischungen ein, mähen streifenweise und lassen verblühte Säume im Winter für Insekten stehen.
Wiese
Wiesen prägen unsere Kulturlandschaft. Durch die Einsaat von Saatgut, das zuvor auf artenreichen und blütenreichen Wiesen der Umgebung gesammelt wurde, schaffen wir beste Voraussetzungen für bunte Abwechslung.
Zauneidechse
Zauneidechsen brauchen Versteckmöglichkeiten, aber auch offene, sandige Flächen zur Eiablage.
Wildbiene
Wildbienen fühlen sich in struktur- und blütenreichen Landschaften wohl. Auch Hochstauden, Totholz und Sand sind wichtig.
Maßnahmen im Überblick
- Umbau von Kurzumtriebsplantagen in extensives Grünland (ca. 20 ha)
- Einsaat von Wiesen aus regionalem Saatgut
- Spezifische Mahdkonzepte
- Entwicklung von Altgrasstreifen, Wiesensäume und strukturreichem Grünland
- Pflanzung von Wildobstreihen (ca. 7 km)
- Artenschutzmaßnahmen für Lerchen und Zauneidechsen und weitere Arten