MAI 2026

Pächter:innen im Porträt: Hoffnungstaler Stiftung Lobetal

Die Bandbreite unserer Pächter:innen und Mieter:innen ist groß. In kurzen Porträts stellen wir einige vor.

Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ist fast so alt wie die Berliner Stadtgüter. 1905 gegründet, engagiert sich die kirchliche Stiftung bis heute für Menschen, die Unterstützung benötigen. Sie ist Dienstleisterin, Arbeitgeberin und Produzentin und richtet ihr Handeln an sozialen und christlichen Werten aus. Der landwirtschaftliche Zweig der Stiftung hat über 21 Hektar Stadtgüterflächen gepachtet. Wir sprachen mit Johanna von Hobe, Leiterin des Bereichs Landwirtschaft.

Zur Hoffnungstaler Stiftung gehören zwei Landwirtschaftsbetriebe in Lobetal und Dreibrück mit 60 Milchkühen samt Nachwuchs. Was passiert auf den Lobetaler Stadtgüterflächen?
Auf diesen Flächen wird Futter für die Milchtiere angebaut. Jetzt haben wir dort Luzernegras stehen, letztes Jahr haben wir Roggen als Kraftfutter angebaut. Auf einem Teil der Fläche haben wir zudem in Kooperation mit den Stadtgütern einen Blühstreifen angesät.

Die Flächen sind verhältnismäßig klein und dennoch von Bedeutung?
Wir bewirtschaften um die 460 Hektar, trotzdem sind diese 21 Hektar zusammenhängender Fläche unglaublich wichtig für uns. Sie liegen nah an der Hofstelle, die Wege sind kurz, das ist gerade beim Einsatz schwerer Maschinen relevant. Das schätzen wir sehr.

Wie verbinden Sie soziale, ökologische und ökonomische Anliegen?
Wir möchten eine gute, sozialverträgliche und gleichzeitig ökonomische Landwirtschaft schaffen. Bis vor einigen Jahren hatten wir Menschen mit Behinderung direkt in der Landwirtschaft angestellt. Aktuell kooperieren wir mit unserem Werkstattbereich. Wenn bei uns Arbeiten anstehen, bei denen wir mehr Leute benötigen als die in der Landwirtschaft angestellten Mitarbeiter, unterstützen uns Arbeitskräfte aus den Werkstätten. Vor einigen Wochen haben wir zum Beispiel auf der Stadtgüterfläche Steine gesammelt. Das war eine große Aktion, da haben wir alle zusammengearbeitet, die Mitarbeiter aus der Landwirtschaft und die aus den Werkstätten. Ökologische Standards sind für uns sehr wichtig. Wir sind zertifizierter Naturland-Betrieb und entwickeln uns hier kontinuierlich weiter.

Die Landwirtschaft wurde 2009 auf Bio umgestellt. Eine logische Konsequenz aus einem christlich geprägten Leit- und Weltbild?
Der Nachhaltigkeitsgedanke ist uns wichtig. Wir wollen nichts tun, was der Natur schadet. Wir arbeiten mit der Natur zusammen, verbessern die Böden. So erhalten wir die Lebensgrundlage für die kommenden Generationen.

Bestenfalls hinterlassen wir die Böden in besserem Zustand als zuvor. Wir betreiben eine Landwirtschaft, die den Menschen guttut.

Was sind die Besonderheiten, wenn es um den Erhalt der Böden geht?
Brandenburg ist eine große Sandkiste. Bei langen Trockenperioden und Starkregenereignissen ist es eine Herausforderung für die Pflanzen, überhaupt zu wachsen. Wir versuchen, möglichst bodenschonend zu arbeiten, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Wir arbeiten mit Zwischenfrüchten oder eben auch mit Blühstreifen, damit sich die Böden erholen und wir den Humusgehalt steigern können. Wir machen Versuche mit Untersaaten, um den Boden weniger bewegen zu müssen. Wir versuchen, die Bearbeitungsintensität so gering wie möglich zu halten. Das ist unser Ziel, auch wenn es ein langwieriger Prozess ist. Gerade investieren wir in neue Maschinen, um Überfahrten und Bearbeitungsschritte zu reduzieren.

 

Mit unserer Idee, die Stiftung beim Anlegen von Blühstreifen zu unterstützen, haben wir offene Türen eingerannt. Warum?
Hier kommen verschiedene Aspekte zusammen. Es ist schön, die Biodiversität zu fördern und einen Lebensraum für Insekten zu schaffen. Der Boden kann sich an dieser Stelle erholen. Die Fläche wurde in den letzten Jahren von Hundehaltern zum Gassigehen genutzt. Mit dem höheren Bewuchs am Rand wollen wir gegensteuern und eine visuelle Grenze schaffen, damit weniger Menschen die Futterfläche betreten. Die Kooperation war oder ist sehr nett und unkompliziert. Überhaupt, wir schätzen das Miteinander-Arbeiten und die Kommunikation mit den Stadtgütern sehr.

Sie sind studierte Landwirtin. Die Vereinten Nationen haben 2026 zum „Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“ erklärt. Gibt es Themen, die Ihnen in diesem Zusammenhang besonders wichtig sind?
Ich habe mich sehr gefreut, als ich davon gehört habe. Ich finde wichtig, den Fokus auf das Thema zu legen. Selbstverständlich können auch Frauen diesen Job machen.

Frauen tragen bereits seit Generationen viel Verantwortung in landwirtschaftlichen Betrieben.

Landwirtschaft ist eine schöne Form des Arbeitens – für Männer und Frauen. Frauen gehen in der Wahrnehmung von außen jedoch häufig unter. Ich erhoffe mir, dass der Fokus dieses Jahr noch mehr auf die Sichtbarkeit von Frauen in der Landwirtschaft gelegt wird und vielleicht auch einige Frauen ermutigt, eine Ausbildung in der Landwirtschaft zu starten. Je mehr Frauen in der Landwirtschaft arbeiten, umso mehr wird das akzeptiert. Die Landwirtschaft ist noch immer männerdominiert. Das muss aber nicht so sein oder bleiben. Mir ist es wichtig Chancengleichheit zu schaffen und Anerkennung für das Können der einzelnen Person – unabhängig vom Geschlecht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: Hoffnungstaler Stiftung Lobetal